Transkript Episode 45 – „StadtLand.Funk – Kommunikation für Alle"
Habbel [0:00]
Und weiter geht's mit einer neuen Folge der Podcast-Serie City Transformer. Wir, das sind Franz-Reinhard Habbel und Michael Lobeck, haben auch heute wieder zwei Gäste, die Michael gleich im Einzelnen vorstellen wird. Heute geht es um regionale und lokale Informationen und Nachrichten aus dem Blickwinkel der Kommunen – über eine App namens StadtLand.Funk. Also nicht „Stadt, Land, Fluss", wie ich früher mal gesagt habe, sondern StadtLand.Funk. Wie der Name zustande kam, wird uns sicher gleich noch erklärt. Ich freue mich jedenfalls auf das Gespräch. Aber vorab wieder meine Standardfrage an Michael: Was gibt es Neues?
Lobeck [0:44]
Ich habe in der Zwischenzeit eine ARD-Dokumentation gesehen mit dem Titel „Gefährliche Apps". Im Kern ging es um Datenhandel und insbesondere um Standortdaten, die aus Apps ausgelesen werden, von denen man es nicht vermutet. Vielleicht hat der eine oder andere das schon mal gehört. Ich hatte schon vor einem Jahr davon gehört, dass unter anderem WetterOnline nebenbei Standorte erhebt, die man eigentlich gar nicht bräuchte, um die Wettervorhersage zu machen. Das Dumme ist: Sie erheben diese Daten nicht nur, sondern sie landen auch bei Datenhändlern.
Der Bayerische Rundfunk und netzpolitik.org haben, wenn ich mich richtig erinnere, bei solchen Datenhändlern einen Probedatensatz angefordert. Den haben sie auch bekommen und konnten damit ganz nette Dinge machen – oder eben nicht so nette Dinge. Das brachte mich wieder auf das Thema digitale Souveränität, das ich ganz zentral finde. Das passt vielleicht auch zu unserem heutigen Gespräch und zu der Frage, dass wir doch einfach mal schauen müssen, dass wir diese übergriffigen Plattformen besser in den Griff bekommen. Wir sollten mal gucken, dass geltendes Recht angewandt wird – oder wenn nötig vorher noch das passende Recht geschaffen wird. Wir sollten uns nicht damit beschränken, irgendwie Jugendlichen Social Media zu verbieten. Darüber kann man streiten, aber das will ich gar nicht aufmachen. Das ist mir auf jeden Fall nicht weit genug gedacht. Ich würde mir wünschen, dass die Plattformen verantwortlich agieren. Ja, das ist sozusagen das, was mich in der Zwischenzeit umgetrieben hat. Ist bei dir was passiert, Franz-Reinhard?
Habbel [2:34]
Ja, mir geht es um Kommunikation. Ich war letzte Woche bei einer Veranstaltung mit Karsten Wildberger, dem Digitalminister. Mit Blick auf die Debattenkultur in Deutschland sagte er: Wir müssen anders kommunizieren. Er bezog das unter anderem auf Digitalprojekte, die – sobald man darüber spricht – immer gleich zerredet würden. Unsere Sprache, so sagte er, sei zutiefst wertend.
Das finden wir in vielen Diskussionen wieder. Jeder hat seine Meinung und will sie in der berühmten Blase bestätigt wissen. Wir lassen wenig Diskussionen oder andere Meinungen zu. Das macht etwas mit uns. Wir müssen wieder lernen, wertfrei und angstfrei zu diskutieren. Wir müssen mehr zuhören, mit Respekt in Gespräche gehen. Wir müssen uns auch mehr zutrauen. Die Zukunft ist voller Unsicherheiten. Der Weg ist meistens anders, als ich es mir vorstelle. Zitat Ende Wildberger.
Ich denke, da ist was dran. Und das ist auch ein guter Übergang zu unserem heutigen Thema: Wie kommunizieren wir miteinander? Welche Rolle haben Kommunen, sowohl in der Informationsbereitstellung als auch in der Diskussionskultur mit Bürgerinnen und Bürgern? Deswegen freue ich mich, dass wir heute zwei Gäste haben, die uns sicher fachkundig den einen oder anderen Tipp geben können. Ich freue mich auf die Runde und schalte gleich wieder zu dir, lieber Michael, damit du die Gäste kurz vorstellst.
Lobeck [4:06]
Wunderbar, das mache ich sehr gerne. Ich freue mich sehr, dass wir heute Frau Dr. Carola Croll wieder bei uns haben. Wir hatten sie schon in Episode 31 zu Gast – damals hat sie uns nicht nur die Stiftung Digitale Chancen, sondern auch das Projekt DorfFunk vorgestellt. Das hat sich weiterentwickelt, und zwar so schön, dass wir dachten: Das wollen wir gerne noch einmal vorstellen. Darum ist auch Shirin Wiechers von der Smartes Land GmbH dabei, die dort Geschäftsführerin ist und die neue Anwendung StadtLand.Funk vorantreibt.
Wiechers [4:54]
Vielen Dank für die Einladung.
Lobeck [4:56]
Sehr gerne. Ich weiß gar nicht, wer von Ihnen anfangen möchte. Ich frage einfach mal: Was ist denn dieses StadtLand.Funk?
Wiechers [5:05]
Zur Historie kann Frau Dr. Croll bestimmt noch ein bisschen weiter ausführen. Ich kann aber kurz sagen, was es überhaupt ist: Sie haben gerade schon ganz richtig gesagt, es ist eine App. Eine App, in der es um digitale Kommunikation für Kommunen geht. Wir versuchen, ein Stück digitale Infrastruktur für Kommunen zu schaffen – einen Ort, an dem ich verlässliche Kommunikation, Information, Beteiligung für Bürgerinnen und Bürger und Vernetzung abbilden kann. Und das eben mit einem sehr starken lokalen Kontext.
Es ist kein Neustart – deswegen habe ich gesagt, Frau Croll kann sehr viel zur Historie sagen. Wir bauen auf gewachsenen Erfahrungen und Förderprojekten auf, die in den letzten Jahren vielfach ausgelaufen sind. Es ging darum, für Fraunhofer, die das Thema technisch entwickelt haben, jemanden zu finden, der bereit ist, darauf zu setzen, der die Relevanz für Kommunen sieht und der versucht, bundesweit ein nachhaltiges Modell auf die Beine zu stellen. Insbesondere für die Gemeinden und Orte, die heute schon sehr aktiv sind – durchaus umfassend in fast allen Bundesländern, mal stärker, mal weniger stark ausgeprägt – wollen wir ein nachhaltiges Angebot schaffen. Aber natürlich auch mit dem Ziel, deutschlandweit weiter zu skalieren.
Habbel [6:54]
Frau Croll, wir haben uns ja vor einiger Zeit schon einmal in diesem Format über das Thema DorfFunk unterhalten, als Sie in Niedersachsen aktiv waren. Der Vorläufer war ein Projekt in Rheinland-Pfalz, an dem ich damals von Seiten der Landesregierung beteiligt war und auch die kommunale Seite mitvertreten habe. Da ging es darum, eine Kommunikationsinfrastruktur aufzubauen, gerade für die Dörfer, damit diese nicht abgehängt werden. Daraus ist alles weiterentwickelt worden. Vielleicht können Sie einen kleinen Abriss geben, was in den letzten Jahren passiert ist und wo Sie heute stehen.
Croll [7:32]
Sehr gerne. Vielleicht kurz zur Einordnung: Was jetzt StadtLand.Funk heißt, hieß früher DorfFunk, in Bayern BayernFunk. Aber das ist jetzt geeint – es gibt eine App fürs ganze Land. Wie Frau Wiechers schon sagte, hat das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (kurz IESE) die App entwickelt und in Rheinland-Pfalz pilotiert. Dann ist das, würde ich sagen, ein bisschen durch die Decke gegangen: in verschiedenen Bundesländern mit landesgeförderten Projekten, in Regionen wie Nordrhein-Westfalen, in Höxter – sehr, sehr gut angenommen. In Niedersachsen haben wir das erst in einem Dorf gemacht, in einem bundesgeförderten Projekt. Das Dorf fand das toll, die Nachbardörfer fanden das toll. Alle ringsherum haben gesagt: Kommt ihr auch bitte zu uns! Wir haben es geschafft, eine Förderung auf Landesebene zu bekommen, und so ist der DorfFunk in Niedersachsen groß geworden.
Das hat unter anderem dazu beigetragen, dass eine andere, nachhaltigere Lösung als ein Forschungsinstitut wie Fraunhofer IESE gebraucht wurde. Fraunhofer wollte das nicht alleine weiter betreuen und hat gesagt: Wir brauchen das jetzt in einer anderen Form. Damit spiele ich den Ball zurück zur Smartes Land GmbH, die sich neu gegründet hat, um den Betrieb zu übernehmen und dauerhaft zu gewährleisten.
Habbel [8:51]
Aber man kann doch sagen, dass hier ein Förderprojekt wirklich funktioniert hat.
Croll [8:57]
Absolut.
Habbel [8:58]
Das ist ja ein großes Problem bei Förderprojekten – dass der Übergang schwierig ist, wenn das Projekt ausläuft. Hier sehen wir aber, dass sich sogar eine Gesellschaft etabliert hat, was ja auch das Ziel ist: in Deutschland wirtschaftlich zu handeln. Es gibt also positive Effekte, auch wenn es lange gedauert hat. Das sollte man einmal erwähnen: Es sind nicht immer nur Negativbeispiele am Ende, sondern Förderungen können auch positive Wirkung entfalten. Das ist ein erfreuliches Ergebnis. Ich denke, diese Auffassung teilen Sie auch.
Croll [9:32]
Absolut. Ich erzähle gern ein Beispiel – ich glaube, das hatte ich beim letzten Mal auch schon: unsere erste Modellkommune im Projekt, der Ortsteil Ramlingen-Ehlershausen der Stadt Burgdorf in der Region Hannover. Die haben dafür gekämpft, dass sie als Ortsteil starten dürfen. Die Leute haben gesagt: „Wir brauchen das, wir wollen das jetzt haben." Im Projekt konnten wir das möglich machen und einen einzelnen Ortsteil freischalten. In der Wirtschaftlichkeit ist das schwieriger. Schön ist aber: Nach Projektende hat die gesamte Stadt Burgdorf gesagt: „Wir machen jetzt mit." Sie waren in Niedersachsen mit die Ersten, die einen Vertrag unterschrieben haben. Jetzt ist die ganze Stadt mit allen Ortsteilen dabei, und es sind viele neue Menschen dazugekommen, die mitmachen und die App nutzen. Ein wirklicher „Stein-ins-Wasser-Moment": Es schlägt Wellen, die Leute werden mitgenommen und sind begeistert – auch wenn die Kommune jetzt dafür bezahlen soll. Sie haben es bei uns ausprobiert, sie konnten schauen, ob es für sie funktioniert. Und jetzt schließen sie einen Vertrag ab. Frau Wiechers wird sicher gleich noch etwas zum Kostenmodell sagen.
Aus meiner Sicht ist es für Kommunen erschwinglich, auch bei den knappen Haushalten – und es bietet einen wirklichen Mehrwert für die Menschen vor Ort, in der Verwaltung, im Ehrenamt und im Hauptamt. Alle Vereine können mitmachen.
Lobeck [10:46]
Da würde ich gleich auch gerne anschließen mit der Frage, welche Akteure welche Relevanz haben. Vorher wüsste ich aber gerne noch: Können Sie kurz erzählen, was die App so toll macht? Was kann sie alles?
Wiechers [11:01]
Die App bündelt vieles, was vor Ort benötigt wird oder relevant ist – mit ganz klarem Fokus auf Kommunikation. Wir versuchen aber bewusst, Kommunikation umfassend zu denken. Dieser Ansatz war auch in der Ursprungsversion schon derselbe. Den haben wir bewusst weitergetragen und an der einen oder anderen Stelle noch geschärft.
Was heißt „Kommunikation umfassend"? Auf der einen Seite ist es ein Tool, in dem ich Informationen und Nachrichten meiner Kommune bekomme. Schon dabei aber mit der klaren Möglichkeit, mich zu beteiligen: Ich kann diese Beiträge kommentieren, eine Diskussion dazu starten. Wir können mittlerweile auch direkt Umfragen zu solchen Themen starten – das ist neu. Parallel kann ich als Bürgerin oder Bürger selbst Posts verfassen und zu bestimmten Themen Diskussionen starten oder informieren. Wir haben Events in der App, wir haben allgemeine Hinweise – die können sowohl von der Kommune als auch von Bürgern kommen. Bis hin zu Themen, die ganz klassisch vor Ort gebraucht werden, wie ein Marktplatz mit „Suche und Biete".
Parallel kann eine Kommune sagen: „Ich möchte das ein bisschen ausbauen." Wir haben verschiedene Module. Es gibt einen digitalen Schaukasten, den ich hinzunehmen kann, um vor Ort klarer zu erklären, was die App eigentlich ist und was darin zu finden ist. Gerade im ländlichen Raum sehen wir, dass die ältere Bevölkerungsschicht erst mal sagt: „Bevor ich mir jetzt eine App runterlade …" Bei Dreißigjährigen ist das ein anderer Umgang – die laden sich die App runter und löschen sie fünf Minuten später wieder, wenn sie nichts für sie ist. Ein digitaler Schaukasten an einem öffentlichen Ort, im Rathaus oder Bürgerbüro, kann zeigen, was in der App drin ist, sodass die Leute denken: „Okay, das kann ich mir mal runterladen."
Was uns sehr wichtig ist und womit wir auch werben: Was wir darstellen, ist eine Alternative zu klassischen Social-Media-Plattformen. Es ist sicher, Open Source, DSGVO-konform, made in Germany, auf deutschen Servern gehostet. Das sind ganz wichtige Rahmenbedingungen für lokale und regionale Kommunikation.
Habbel [13:41]
Bundesweit nutzen ungefähr 300 Gemeinden die App, wenn ich das richtig gelesen habe. Haben Sie Daten zur Altersstruktur? Wer nutzt die App vorrangig?
Wiechers [13:54]
Ja, wir haben Daten aus Nutzerbefragungen, die wir jüngst noch einmal durchgeführt haben und auch weiterhin regelmäßig durchführen werden. Im Moment sind ungefähr knapp 50 Prozent unter 60 Jahre und etwas mehr als 50 Prozent 60 plus. Wenn man das aufschlüsselt, sieht man, dass die Nutzerschaft etwas älter ist – mehr 60 plus. Wir glauben aber, dass die Plattform eigentlich ideal ab 30 plus ist, getreu dem Spruch „bei den Spielern bis 1999". Denn das ist der Zeitpunkt, wo ich sesshaft werde und einen besonderen Bezug zu meinem lokalen Umfeld entwickle: Es interessiert mich, was am Wochenende stattfindet, ich kaufe ein Haus oder eine Wohnung, baue, bekomme Kinder, arbeite vielleicht woanders, möchte aber wissen, was bei mir vor Ort passiert.
Habbel [15:00]
Bei den unter 20-Jährigen wird es dann wahrscheinlich dünn, oder?
Wiechers [15:03]
Ja, es gibt auch Nutzer unter 20, die haben sich auch an Befragungen beteiligt – aber das ist dünn, das muss man fairerweise sagen. Auch da haben wir Anknüpfungspunkte, an denen die App auch für junge Leute interessant sein kann.
Perspektivisch denken wir an Themen wie Vereine, gerade Sportvereine. Vereine sind generell ein großes Thema – das wollte ich beim Stichwort „Kommunikation umfassend" eben unbedingt noch erwähnen. Wir binden nicht nur Bürgerinnen und Bürger ein, sondern auch Vereine, und wollen vor allem dem Ehrenamt mehr Sichtbarkeit geben. Wir denken verstärkt darüber nach, wie sich Vereine über die Plattform organisieren können. Sie können heute schon ohne Probleme eine Gruppe anlegen, auch eine geschlossene Gruppe, und darin posten und kommunizieren. Aber wir wollen perspektivisch noch mehr Möglichkeiten bieten – gerade für das Ehrenamt – auch zur Organisation. Vereine sind ja ein ganz wesentlicher Bestandteil der kommunalen Kommunikation und Infrastruktur.
Croll [16:11]
Man kann ergänzen: Die App ist eben nicht in sich geschlossen, sondern bietet verschiedene Schnittstellen nach außen. Für die Verwaltung kann man die kommunale Webseite anschließen und Informationen direkt in die App pushen lassen. Für das Ehrenamt – über landesweite Seiten, in Niedersachsen sind das die Niedersächsischen StadtLand.News (ganz neu umbenannt vom früheren LandNews) – können Engagierte Zugänge erhalten und ihre Informationen sehr niedrigschwellig eintragen, die dann direkt in die App geschickt werden. So sind verschiedene Wege möglich, wie Informationen in die App gelangen, und es gibt keine Nadelöhre, an denen Informationen in Portalen festhängen oder kompliziert freigegeben werden müssen, sodass sie vielleicht erst bei den Menschen ankommen, wenn die Veranstaltung schon vor drei Tagen war.
Habbel [16:58]
Das ist interessant, was Sie sagen, Frau Croll. Es gibt ja die neue Technologieentwicklung in Richtung „Liquid Content". Liquid Content meint, dass Inhalte flüssig in verschiedene Systeme einfließen – sei es Video, Audio oder KI-gestützte Presseerklärungen –, automatisiert, um eine Information mehrfach über verschiedene Kanäle auszuspielen. Das ist auch ein interessanter Ansatz.
Aber zurück zu den Zielgruppen, Frau Wiechers: Es wäre klug, auch junge Leute zu attrahieren, weil die später Aufgaben in ihrer Gemeinde übernehmen, etwa im Ehrenamt. Eine Bindung an die Gemeinde schon im Jugendalter aufzubauen, fände ich klasse: eine Art Startrampe für ihre App, die das klassische Leben einer Gemeinde abbildet und schon in frühen Jahren angeboten wird, damit man sich nicht bis zum 75. Lebensjahr nur in Facebook aufhält, sondern diese örtliche, wunderbare Stadt-Land-App nutzen kann.
Wiechers [18:18]
Absolut, genau das. Wir arbeiten parallel an sehr, sehr vielen funktionellen Erweiterungen in der App. Wir haben durch den Wechsel von DorfFunk zu StadtLand.Funk schon einiges an Funktionalität dazugewonnen. Entscheidend ist immer: Als Nutzer, egal in welchem Alter, muss das, was in der App ist, für mich interessant sein – sonst gehe ich da gar nicht rein. Für junge Leute ist zum Beispiel das Thema Sportvereine ein guter Anker.
In der Regel – das trifft natürlich nicht auf alle zu – interessiert die 20-Jährigen noch nicht so viel, was die Kommune zu Vorhaben berichtet. Wenn ich aber sesshaft bin und meinen Lebensmittelpunkt habe, ist das deutlich relevanter. Wir haben oft Themen wie geplante Windkraftanlagen, an denen viel Diskussion und Austausch entsteht. Über Sportthemen oder Ähnliches kann ich aber auch auf junge Leute zugehen. Über unser Netzwerk – Sie hatten das eben erwähnt, Herr Lobeck, wir kommen sicher gleich darauf, wer hinter der Smartes Land GmbH steht und wer Gesellschafter ist – über die Sparkassen-Finanzgruppe gibt es immer wieder interessante Themen für junge Leute, etwa zur finanziellen Bildung oder Events wie Konzerte.
Croll [19:54]
Aus Niedersachsen kann ich ergänzen: Wir hatten die Rückmeldung, dass die alte App ein bisschen altbacken war – die Farben nicht modern, für junge Leute nicht attraktiv. Das haben wir zumindest von Menschen gehört, die mit jungen Menschen in der Kommune arbeiten. Die haben gesagt: „Das ist was für Oma." Den DorfFunk gibt es jetzt nicht mehr, sondern den StadtLand.Funk. Aus meiner Sicht – und ich bin jetzt auch nicht mehr die Zielgruppe der Jugendlichen – hat er einen frischeren Look. Die Farben sind anders, die Bedienung ähnelt eher klassischem Social Media. Auch wenn alles andere, wie Frau Wiechers gesagt hat, eben nicht mit klassischem Social Media zu vergleichen ist – wegen des hohen Datenschutzniveaus, der Server in Deutschland und der Moderation, die größtenteils von den Leuten vor Ort gemacht wird. Wer im Dorf etwas Falsches sagt, wird digital wie analog angesprochen und gegebenenfalls zur Rechenschaft gezogen, ohne dass irgendwelche Tech-Konzerne im Hintergrund etwas tun müssten. Das ist eine sehr angenehme Weiterentwicklung. Eigentlich müssten wir die Leute, die vor einem Jahr gesagt haben „das ist ein bisschen alt", nochmal befragen, ob sie jetzt mitgehen würden und ob die jungen Leute vor Ort sich begeistern lassen.
Lobeck [21:07]
Ich teile Ihre Einschätzung, Frau Wiechers: Junge Leute haben einen geringeren Bezug zu klassischen lokalen Themen. Es gibt zwar lokale Sachen, aber sie sind anders unterwegs, und ein großer Teil ihrer Online-Zeit wird von anderen Plattformen beansprucht. Das ist zumindest meine Erfahrung. – Wenn ich Ihre App haben wollte: Müsste ich erst meinen Stadtrat oder die Bürgermeisterin überzeugen? Ich kann sie wahrscheinlich runterladen, aber für meine Zwecke nicht gut nutzen, oder?
Wiechers [21:43]
Richtig. Sie können sie überall runterladen und in Ihrem Profil Region oder Ort auswählen. Wir haben manche Bundesländer, in denen alle Orte freigeschaltet sind – das kommt oft aus Förderprojekten oder daher, dass das Bundesland über die Ministerien die App den Kommunen zur Verfügung stellt. In Schleswig-Holstein ist das zum Beispiel der Fall. Sie können die App also runterladen und Ihren Ort finden, aber eventuell ist da nicht viel los, weil er zwar freigeschaltet ist, aber nicht aktiv teilnimmt. Deswegen sagen wir immer: Uns ist der direkte Kontakt mit den Kommunen wichtig – am Ende auch der Vertrag, aber zuerst der Kontakt –, weil Kommunen unsere Kunden sind und letztlich das Thema bezahlen müssen. Auch wenn wir aus der Daseinsvorsorge kommen und es nicht um Gewinnmaximierung geht: Mit einem gewissen Zeithorizont muss sich die App selbst tragen. Es geht weniger um Gewinne, aber die berühmte schwarze Null brauchen wir.
Uns ist wichtig, dass Kommunen mitmachen, damit sie auch den ersten wesentlichen Content in die App bringen. Häufig sind es Vereine, die zuerst Interesse haben und die App nutzen wollen. Mit denen gehen wir dann gemeinsam auf die Kommune zu und versuchen sie zu überzeugen, die App vor Ort auszuprobieren und zu etablieren.
Habbel [23:43]
Sie sind jetzt deutschlandweit tätig. Gibt es Unterschiede in der Resonanz und im Kommunikationsverhalten? Gibt es Bundesländer, die etwas lockerer und kommunikativer sind als die – sagen wir – etwas weniger sprechenden Norddeutschen? Das sind alles Vorbehalte.
Croll [24:03]
Vorsicht …
Wiechers [24:08]
Eine kleine Anekdote am Rande, Herr Habbel: Wir unterhalten uns viel mit Gemeinden aus den unterschiedlichsten Bundesländern. Letztens haben wir uns mit einem Bundesland unterhalten – da ist es eher übergeordnet organisiert –, und die haben gesagt: „Bei uns im Bundesland ist das anders im Verhältnis zu allen anderen, wir haben ein ganz besonderes Wir-Gefühl." Da musste ich schmunzeln, weil das fast jedes Bundesland für sich in Anspruch nimmt. Seitdem wir dabei sind und die GmbH gegründet haben – das war am 6.6. letzten Jahres, also ein überschaubarer Zeitraum – kann ich nicht feststellen, dass es wirklich Unterschiede in der Kommunikation zwischen den Bundesländern gibt. Der Bedarf in der Kommune ist immer derselbe: Wir brauchen etwas mit lokalem Bezug, wo wir uns austauschen können und wo Bürger sich beteiligen.
Es kommt natürlich vor, dass wir Beiträge löschen oder eine Kommune mitnehmen müssen mit dem Hinweis: „Hey, ihr müsst stärker in die Moderation einsteigen." Aber das ist sehr wenig. Es ist weniger unangebrachte Kommunikation im Sinne von Hate Speech, sondern eher, dass Diskussionen aus dem Rahmen geraten, weil es zwei völlig gegensätzliche Positionen vor Ort zu einem bestimmten Vorhaben gibt. Da waren zwei Lager, die sich erstmal schwer einigen konnten. Das Klassische, was wir sonst kennen – Hetze und Ähnliches – haben wir ehrlicherweise wenig. Wir haben ein KI-Tool implementiert, das automatisch Hetze oder unangebrachte Sprache erkennt. Wir löschen aber bewusst manuell, um da auch noch draufzuschauen. Und wo es nötig war, ist das immer sehr schnell gelungen. So ein Social-Media-Netzwerk wie Facebook oder X hat natürlich eine deutlich größere Datenmenge – da ist es schwerer, kurzfristig zu reagieren.
Lobeck [26:59]
Interessant, dass Sie betonen, dass es eine Moderation gibt – das ist schon einmal schön – und wenn ich es richtig verstanden habe, läuft die kommunal. Sie wird nicht zentral von Ihnen geregelt, sondern von den Kommunen, mit denen Sie Verträge haben.
Mich würde dann interessieren, wer hier welche Rolle spielt. Die Kommunen sind klar zentrale Player. Die Landesebene wurde erwähnt, sie kann ein wichtiger Unterstützer sein. Dann gibt es Sie als Smartes Land GmbH. Ich habe gelesen: Die Versicherungskammer Bayern kommt ins Spiel, weil sie schon vorher beim BayernFunk aktiv war. Die Deutsche Assistance – die ich erst Assistance las – gehört zur Sparkassengruppe, wenn ich richtig recherchiert habe, und die Versicherungskammer Bayern auch im weiteren Sinne. Wir haben also Sparkassen, und Fraunhofer ist auch noch mit 19 Prozent mit im Boot, wenn ich das richtig gesehen habe. Schön, dass sich Gesellschaften finden, die das voranbringen. Aber: Was ist deren Interesse daran? Das hat sich mir nicht ganz erschlossen. Und was ist deren Rolle – nehmen Sie die im Alltag wahr?
Wiechers [28:33]
Das ist die Deutsche Assistance, fairerweise – man denkt immer „Assistance", aber das Wort kommt aus dem Französischen. Wir, die Deutsche Assistance, sind im Grunde zentraler Dienstleister für alle öffentlichen Versicherer.
Da schließt sich der Kreis: Die Versicherungskammer Bayern ist ein öffentlicher Versicherer – klassisch sind das Provinzial, Sparkassenversicherungen, Feuerbrandkassen. Gerade im Norden gibt es viele kleine öffentliche Versicherer, die alle regional aufgestellt sind. Das ist ein wichtiger Punkt: Die öffentlichen Versicherer sind nach der Allianz die zweitgrößte Versicherungsgruppe am deutschen Markt, aber regional verankert und nur regional tätig. Es gibt wenige Ausnahmen, etwa die ÖRAG Rechtsschutz – das ist unsere Mutter, und über sie auch die Mutter der Deutschen Assistance. Die Deutsche Assistance erbringt zentral Leistungen für alle öffentlichen Versicherer. Rechtsschutz ist bundesweit, das andere sind Assistenzleistungen. „Assistenz" kennt man klassisch vom ADAC: Hilfe im Notfall. All das, was die öffentlichen Versicherer in ihren Verträgen versprechen – Menschen aus dem Ausland zurückholen, Hilfe auf der Straße – organisieren wir am Ende: Abschlepper, Gebäudeschäden und alles Mögliche.
Fraunhofer war eng im Gespräch mit der Versicherungskammer und hat gesagt: „Wir machen angewandte Forschung, jetzt ist das eine Anwendung. Wir müssen das ausgründen, wir können das nicht mehr hauptverantwortlich betreiben. Aber das Thema bleibt relevant, und wir möchten den Förderpartnern gegenüber sicherstellen, dass es nachhaltig weitergeführt wird – nicht so wie viele Förderprojekte, die nach Auslaufen der Förderung sterben, weil das Thema einen Bedarf vor Ort trifft." Die Versicherungskammer ist aber regional tätig, und Fraunhofer wollte jemanden, der bundesweit agiert. So sind die Kollegen zu uns gekommen: „Ihr macht doch Shared Service und tretet für uns zentral bundesweit auf." So sind wir ins Gespräch gekommen. Die öffentlichen Versicherer kommen aus der Daseinsvorsorge, eigentlich aus der Kommunalversicherung, und haben – genau wie die Sparkassen – sehr engen Bezug zu den Kommunen. Wir finden das Thema perspektivisch sehr spannend, gerade mit dem Kommunalbezug, weil es letztlich darum geht, das deutschlandweit zu skalieren und auf breite Füße zu stellen.
Ich kann gleich zwei, drei Zahlen nennen, damit man ein Gefühl bekommt. Uns geht es darum, dass sich der Betrieb perspektivisch über die Kommunen rechnet. Wir glauben aber, dass wir in unserem Netzwerk – bei Sparkassen, bei den jeweiligen Versicherern vor Ort – Finanzpartner für die Kommunen finden können. Bei der Migration haben viele Kommunen gesagt: „Das wollen wir unbedingt weiter haben, wir finden das spannend, wir brauchen das, aber im Haushalt haben wir eigentlich kein Geld dafür." Vor diesem Hintergrund gehen wir mit hinein und schauen, ob es uns gelingt, das zu skalieren und so zu verbreitern, dass das Thema generell für alle abgebildet werden kann.
Croll [33:00]
Vielleicht ergänzend: Wir haben das Projekt in Niedersachsen wissenschaftlich begleitet und Finanzierungsmodelle für die Kommunen erarbeitet. Was Frau Wiechers eben gesagt hat, haben wir im Landkreis Wolfenbüttel beobachtet: Der Landkreis hat einen Vertrag auf Landkreisebene, und eine lokale Stiftung finanziert das vor Ort – inklusive eines Stellenanteils, sodass es vor Ort begleitet und unterstützt werden kann. Das ist die Traum- und Wunschvorstellung, zeigt aber auch, dass es einfach und niedrigschwellig möglich ist. Andere Kommunen haben gesagt: „Wir machen ein Crowdfunding" oder schließen sich auf Landkreisebene zusammen, sodass es einen Vertragspartner gibt und sie die Kosten untereinander aufteilen. Schön, dass die flexiblen Modelle, die wir ausgearbeitet haben, jetzt von der Smartes Land GmbH ermöglicht werden, sodass auch Kommunen, die es sich vielleicht nicht leisten können oder wollen, einen Weg finden, das Ganze vor Ort zu betreiben oder neu zu etablieren.
Habbel [34:00]
Ich wollte noch auf die Inhalte und die Arbeit als solche zurückkommen. Daten werden ja immer wichtiger – da sind wir uns einig. Mich freut, dass es sich um ein deutsches Unternehmen handelt, das DSGVO und Rechtsvorschriften praktiziert. Die Frage ist: Ist es für Kommunen interessant – und können sie das überhaupt –, Daten auszuwerten, um zum Beispiel Befindlichkeiten in einer Kommune frühzeitig zu erkennen? In den dort geführten Diskussionen poppen Themen auf, die als Seismograph genutzt werden könnten, um zu erkennen, wie sich eine Gemeinschaft entwickelt, wo unterstützt werden kann, wo neue Bedarfe entstehen – also eine Art Forecast-Modell. Denken Kommunen schon in diese Richtung? Gibt es Kommunen, die das nutzen? Oder ist das jenseits der Überlegungen, die wir hier anstellen?
Wiechers [35:13]
Ich habe gesehen, dass Frau Croll genickt hat – vielleicht hat sie das eine oder andere Beispiel aus Niedersachsen.
Wir nehmen das im Moment noch nicht besonders stark wahr; zumindest wird der Bedarf bei uns nicht extrem abgefragt. Wir glauben aber, dass das durchaus etwas ist, was man den Kommunen mitgeben muss – dass sie diese Möglichkeit haben. Dazu setzen wir gerade an der App im Hintergrund Dinge neu auf, damit wir umfassendere Auswertungsmöglichkeiten haben. Klar ist aber auch: Wir sagen ganz bewusst, es ist eine sichere Plattform – hier wird es keinerlei Datenhandel oder Verkauf an Dritte geben, auch nicht für Partner, die einsteigen und sagen, sie wollen finanzieren. Das ist sehr wichtig. Das heißt aber nicht, dass eine Kommune ihre Daten vor Ort nicht nutzen kann. Ganz klassisch heute schon: einfach reinschauen, wie die Kommentarlage zu einem Beitrag aussieht. Auch das kann sie schon auswerten. Perspektivisch wollen wir Kommunen automatisiert mehr Daten an die Hand geben.
Ein weiteres Thema sind Umfragen. Wir haben Umfragen schon in der App – ich kann zu jedem Beitrag eine Umfrage starten. Was wir gerade gesondert entwickeln, ist ein reines Umfragetool für die Kommunen, damit für die Bürger klar erkennbar ist: Das ist jetzt eine von meiner Gemeinde gestartete, sozusagen offizielle Umfrage zu einem bestimmten Thema. Damit gehen wir, was Vorhaben angeht, genau in die Richtung, die Sie gefragt haben, Herr Habbel. Wenn ich ein bestimmtes Thema habe und wissen möchte, wie die Leute dazu stehen, kann ich das entsprechend auswerten. Da das etwas anderes ist als allgemein klassische Umfragen zu jedem Post, programmieren wir das gerade gesondert. Bis Mitte des Jahres werden wir das den Kommunen zur Verfügung stellen.
Habbel [37:39]
Michael, darf ich noch eine Frage vorziehen, die mir auf den Nägeln brennt und die Frau Wiechers vielleicht im Interview erwartet? Sie ist Juristin. Ja. – Wie sehen die Lokalredaktionen ihre Arbeit? Gibt es Konkurrenzdenken? Gibt es Kooperationsmöglichkeiten? Ist das ausdiskutiert? Wie ist Ihre Meinung?
Wiechers [38:00]
Wir haben Leute in der Kommune, die Beiträge für die App verfassen – manchmal originär für die App, manchmal schon für die Website. Dann werden sie, wie Frau Croll erklärt hat, über einen klassischen Crawler oder ein Plugin automatisch in die App gezogen. Das sind aber natürlich keine Reporter oder Redakteure im journalistischen Sinne.
Es kann sein, dass sich ein Redakteur oder Journalist vor Ort fragt: „Ist das eine Konkurrenz für mich?" Ich würde das immer mit einem klaren Nein beantworten. Aus meiner Sicht dürfte für einen Journalisten auch nicht das Bild entstehen, dass es Konkurrenz ist. Es ist digitale Infrastruktur, die Kommunen mit dieser App zur Verfügung stellen, die sehr wichtig ist, aber in keiner Weise eine Zeitung oder Ähnliches vor Ort ersetzen oder Konkurrenz dazu sein soll.
Habbel [39:13]
Vielen Dank.
Lobeck [39:15]
Wir müssen langsam auf die Zielgerade einbiegen. Ich würde gerne noch zur Kostenfrage zurückkommen, die Sie vorhin angedeutet hatten – zumindest die Größenordnung, damit auch Zuhörerinnen und Zuhörer ein Gefühl bekommen: Wenn ich als Gemeinde Interesse habe, schafft mein Haushalt das? Wer könnte das sonst?
Wiechers [39:41]
Sehr gerne. Wir haben ein transparentes Kostenmodell für die Kommunen. Nutzer zahlen grundsätzlich nichts – das wird auch perspektivisch nicht passieren, das kann ich an dieser Stelle nochmal hervorheben. Unser Modell orientiert sich an der Größe der Gemeinde, also der Einwohnerzahl. Eine Kommune bis 5.000 Einwohner zahlt zum Beispiel 100 Euro im Monat für die App mit allen Inhalten, die dabei sind. Es gibt Module, die gesondert gebucht werden müssen: zum Beispiel der digitale Schaukasten – das ist eine gesonderte Software – und die LösBar.
Die LösBar ist die Möglichkeit, einen eigenen Kanal freizuschalten, den „Sag's-uns"-Kanal, über den Bürger direkt an die Kommune Rückmeldungen geben können. Der Name lässt es erahnen: Es geht häufig darum, dass jemand sieht „die Straßenlaterne an der Ecke ist kaputt" oder „die Schaukel auf dem Spielplatz muss repariert werden". Die Kommune kann direkt zurückmelden – sie kann organisieren, dass das behoben wird, und in den Austausch gehen. Andere Bürger sehen, dass es schon gemeldet ist. Bürger können auch positiv zurückmelden: „Toll, dass das so schnell funktioniert hat" oder „Der Kreisel bei uns wurde neu bepflanzt, sieht super aus." Wir haben es bewusst auch „Sag's-uns-Kanal" genannt, weil die Idee ist, dass auch positive Rückmeldungen erfolgen können. Solche Module werden zusätzlich hinzugebucht.
Habbel [41:39]
Wir wollen auch eine Gemeinderatssitzung damit streamen oder übertragen. Ist so etwas denkbar oder jenseits der Technologie?
Wiechers [41:48]
Im Moment ist es so, dass wir Videos noch nicht direkt einbinden können. Das hat unterschiedliche Gründe, ein Stück weit auch Datenschutzgründe. Verlinken kann ich natürlich: Wenn ich auf meiner Website das Video oder den Stream der Ratssitzung hinterlege, kann ich den Link in der App kommunizieren. Das geht aber nicht unmittelbar in der App.
Wir haben oft verschiedene Themen – auch „Mehrwerte" werden wir perspektivisch stark mitberücksichtigen. Da haben wir Anfragen von Kommunen, die sagen: „Es wäre für uns wichtig, dass wir vor Ort zeigen können, was es für kleine und mittelständische Unternehmen gibt." In manchen Kommunen gibt es einen – ich nenne ihn jetzt mal neutral – Ortstaler. Kann man so etwas auch digital abbilden? Ja, das werden wir mitdenken, weil wir sagen: Das gehört zum Thema Kommunikation und digitale Infrastruktur, ohne dass es Verwaltungsservices sind. Davon grenzen wir uns sehr stark ab, denken aber gerade in verschiedenen Gebieten darüber nach, wie wir mit klassischen Smart-City-Apps – wo es um Verwaltungsservices geht – kooperieren können. Das ist die Perspektive einer Ökosystem-Logik, in der man verschiedene Dinge anflanscht, ohne sie hart und unmittelbar in die App zu nehmen. Sonst wird es zu komplex, und es ist für den Nutzer nicht mehr klar erkennbar, was er da eigentlich bekommt.
Habbel [43:33]
Ich finde, wir müssen zum Schluss kommen. Ihre Arbeit finde ich extrem wichtig und notwendig, um Demokratie zu stärken und Gemeinschaft zu pflegen. Bekommt sie auch genügend Unterstützung von der Politik? Was Sie machen, finde ich klasse und gehört in den Scheinwerfer. Erzeugen Sie Aufmerksamkeit im politischen Umfeld – oder würden Sie sich da noch mehr wünschen?
Wiechers [43:58]
Da würde ich mir noch mehr wünschen. Das liegt aber auch daran, dass wir in den letzten Monaten sehr stark mit Migration beschäftigt waren und das nicht so stark eingefordert haben. Wir bekommen es aber an vielen Stellen. Gerade in Niedersachsen – Carola, ich erinnere mich an unsere Messe letztes Jahr, als Olaf Lies extra zu uns an den Stand gekommen ist, auf seiner sehr überschaubaren Runde, in der er nur an wenigen Ständen halten konnte. Genau das, was Sie gesagt haben, Herr Habbel, hat er hervorgehoben: wie wichtig er das Thema findet, gerade für die Demokratisierung vor Ort und die Stärkung der Demokratie. Wir nehmen das wahr, aber mehr geht immer.
Croll [44:45]
Ich kann ergänzen: Olaf Lies hast du eben erwähnt – das Land Niedersachsen hat das Projekt auf oberster Ebene gefördert. Wir haben die Projektergebnisse an die Ministerinnen, Minister und an den Ministerpräsidenten geschickt. Von ihm haben wir ein persönliches Schreiben sogar per Post bekommen – auch das ist eine Wertschätzung. Wir hatten ja vorhin das Thema, dass Fördermittel auch wirklich ankommen, genutzt werden und es eine nachhaltige Nachnutzung gibt. Wenn dann der Landesvater das auch noch würdigt, ist das für uns persönlich sehr schön. Und, Herr Habbel: Der Digitalminister Wildberger hat von uns ebenfalls die Handlungsempfehlungen bekommen und mit einem persönlichen Schreiben geantwortet, in dem er sich bedankte und sagte, dass genau solche Beispiele toll sind. Hier kann ich einen schönen Bogen schlagen: Es ist vom Bund gestartet worden, dann hat das Land Niedersachsen übernommen, und jetzt ist es wieder auf Bundesebene. Ich denke, die Politik bekommt nach und nach mehr mit. Um den Bogen zu einer dritten Partei zu schlagen: Wir hatten SPD mit Olaf Lies, Wildberger mit der CDU. Ich komme gerade von den Grünen im Bundestag. Die haben zum zweiten Mal einen Kommunalkongress veranstaltet und verschiedene ExpertInnen eingeladen, unter anderem mich, um genau diese Erfolgsgeschichte zu erzählen: wie etwas, das man ganz klein begonnen hat, jetzt mit einer GmbH wirtschaftlich weiterarbeitet, einen Mehrwert für Kommunen bieten kann – und wie wichtig es ist, das Projekt sichtbar zu machen.
Habbel [46:21]
Die Zeit ist um. Ganz herzlichen Dank. Das letzte Wort hat – wie immer – Michael Lobeck.
Lobeck [46:26]
Vielen Dank Ihnen beiden für die sehr interessante Vorstellung und den Austausch. Das hat mir gut gefallen. Ich schließe noch einmal den Bogen, wie wir ihn jetzt schon mehrfach geschlagen haben – auch zurück zu Karsten Wildberger: Sie fördern damit das Zuhören und den Austausch. Der Bogen passt auch gut zu den gefährlichen Apps, die ich anfangs ansprach. Das sind Sie nun nicht – Sie sind eine sehr hilfreiche App.
An unsere Zuhörerinnen und Zuhörer noch zwei Appelle: Wenn Sie Vorschläge haben, was wir behandeln sollen, schreiben Sie uns eine E-Mail an info@habbelundlobeck.de – die erreicht uns beide. Und wenn Sie das alles unterstützen wollen: Machen Sie sich schlau, werden Sie digital unabhängiger. Am nächsten ersten Sonntag ist wieder digitaler Unabhängigkeitstag. Bleiben Sie gesund.
Wiechers [47:22]
Herzlichen Dank.
Transkript von Auphonic, nachbearbeitet mit Claude von Anthropic und manuell.